Interview | Julia Zieschang und Anna Savas

Marina: Hallo Julia, Hallo Anna. Danke, dass ihr euch Zeit für das Interview nehmt. Erzählt uns doch mal in drei Sätzen, worum es in eurem aktuellen Buch geht und warum man es lesen sollte.

Julia Zieschang: Hallo, schön, dass wir da sein dürfen. :)
Mein aktuelles Buch ist Poems'n'Kisses und darin geht es um die alleinerziehende junge Mutter Rachel, die die süßesten Rituale mit ihrer 6-jährigen Tochter Ash pflegt. Zum Beispiel essen die beiden jeden Sonntag Zuckerstreuseltoast zum Frühstück und Ash wünscht sich nichts sehnlicher, als den Wandschrank zu finden, der sie nach Narnia bringt. Rachel ist außerdem Poetry Slammerin und hat sich seit sieben Jahren der Liebe verschlossen und am Ende hängt ihr ganzes Glück von einem einzigen Slam ab.

Anna Savas: Hallöchen. :) Ich freue mich sehr auf das Interview und bin schon ganz gespannt.
In Loving or Losing zieht Liam für die schüchterne Everly ziemlich unerwartet zu ihr und ihren Eltern. anfangs ist sie davon gar nicht begeistert, bis sie herausfindet, dass die Buchhandlung ihrer Eltern kurz vor dem Ruin steht. Gemeinsam mit Liam versuchts sie die Buchhandlung zu retten und dabei kommen die beiden sich unweigerlich näher, doch ihren Gefühlen steht nicht nur Everlys Schüchternheit, sondern auch Liams Vergangenheit im Weg.

→ Hier könnt ihr die beiden Bücher kaufen: Books'N'Scones & Loving Or Losing

Marina:  Wie habt ihr die Entscheidung getroffen: Verlag oder Selfpublishing?

Anna Savas: Oh, das war bei mir relativ simpel und keine Entscheidung, die ich bewusst getroffen habe. Ich habe damals beim ersten Schreibwettbewerb von Impress und Tolino den 3. Platz belegt und damit einen Verlagsvertrag für mein erstes Buch gewonnen. Dabei bin ich dann geblieben, vor allem auch weil meine folgenden Bücher ebenfalls sehr gut in das Programm von Impress gepasst haben und ich das Gefühl habe, dass meine Geschichten da gut aufgehoben sind.

Julia Zieschang: Puh, die Entscheidung ist nicht leicht. Es hängt vor allem davon ab, was man selber möchte. Verlag ist toll, weil man da jemanden im Hintergrund hat, der vieles für dich übernimmt, aber gleichzeitig hat man auch nicht mehr so viele Freiheiten wie im Self Publishing (z.B. was das Coverdesign angeht). Ich persönlich fühle mich mit beidem sehr wohl und man muss halt auch dazu sagen, dass es nicht immer leicht ist, einen Verlag zu finden und dann vielleicht auch nur noch die Option des Self Publishing bleibt.

→ Hier findet ihr Julias Blogbeitrag zum Thema "Selbstständig als Autorin"

Lea: Neulich habt ihr in eurer Story auf Instagram über die Probleme beim Veröffentlichen von Buchreihen gesprochen. Könnt ihr das nochmal kurz zusammenfassen?

Julia Zieschang: Ein Problem, das, glaube ich, viele Autoren kennen, ist, dass Leser erst den ersten Band einer Reihe kaufen, wenn die Reihe bereits vollständig erschienen ist (manchmal vielleicht auch, weil sie Angst haben, dass die Reihe nicht vollständig erscheint und genau das ist der Teufelskreis). Da Verlage natürlich wirtschaftlich orientiert sind und auch so agieren, kann es dann passieren, dass der Eindruck entsteht, die Leser hätten kein Interesse an der Reihe, weil Band 1 so wenig verkauft wurde.
Dann stellt der Verlag die Reihe ein und damit haben wir wieder den Teufelskreis.
Deshalb, wenn ihr eure Lieblingsautoren unterstützen wollt: Kauft gleich den 1. Band einer Reihe, wenn er erscheint, unabhängig von dem Zeitpunkt, wann ihr die Reihe dann lesen wollt.

Anna Savas: Da kann ich Julia nur zustimmen. Das ist ein großes Problem. Nicht nur, weil es für den Verlag oftmals nicht wirtschaftlich ist, die Reihe fortzusetzen, sondern weil es auch für den Autor schwierig ist, an einer Reihe weiterzuarbeiten, wenn er das Gefühl hat, dass niemand die Geschichte lesen will, weil Teil 1 sich schon nicht gut verkauft.

Julia Zieschang: Genau, das sehe ich so wie Anna, da geht dann natürlich auch ein wenig die Motivation flöten.

Lea: In den USA sind ja die "First Week Sales" für die Verlage besonders wichtig. Gilt es dann hier in Deutschland ebenso, dass Leser die Bücher am besten in der ersten Erscheinungswoche kaufen, um den Autor möglichst stark zu unterstützen?

Anna Savas: Für Deutschland gilt im Grunde dasselbe.

Julia Zieschang: Ich würde sagen, auf jeden Fall! Wenn um den Erscheinungstag herum das Buch gekauft wird, dann ist das nochmal richtig gut für das Ranking und die Sichtbarkeit. So können Fans ihre Autoren am besten unterstützen (also keine Vorbestellungen, sondern in der Erscheinungswoche kaufen).

Lea: Also zählen hier die Vorbestellungen nicht zu den "First Week Sales"?

Anna Savas: Julia hat ganz Recht, obwohl ich ergänzen würde, dass der ganze erste Monat wichtig ist.

Nein. Zumindest zählen die Vorbestellungen nicht bei den Verkaufsrängen in der ersten Woche.

Lea: Wo kauft ihr selbst eure Bücher bzw. wie geht ihr beim Bücherkauf vor?

Julia Zieschang: Ich bin wahrscheinlich nicht das beste Vorbild, weil ich sehr viele Bücher auch in der Bücherei ausleihe. E-Books kaufe ich alle auf Amazon, aber wenn es ein Printbuch ist, versuche ich die Buchläden in der  Stadt zu unterstützen und die vor Ort zu kaufen. (Manchmal wird es aber auch da Amazon, wenn die eigene Bequemlichkeit zu groß ist.)

Anna Savas: Oh, das kommt ganz auf das buch an. Taschenbücher und Hardcover versuche ich möglichst in der Buchhandlung vor Ort zu kaufen (auch, wenn das leider nicht immer klappt). Julias Bücher kaufe ich über Amazon und eBooks über Thalia, weil ich einen Tolino-Reader habe.
Allerdings muss ich sagen, dass ich letztes Jahr recht wenig Bücher gekauft habe. Dieses Jahr sieht das allerdings schon wieder ganz anders aus. Ich lasse mich gerne von Buchbloggern auf Instagram inspirieren...
Liebe es aber auch in Buchhandlungen zu stöbern und da kleine Schätze zu finden, die sonst eher unbekannt sind.

Lea: Wisst ihr vielleicht, ob man mit dem Ausleihen in der Bücherei auch indirekt die Autoren unterstützt/unterstützen kann?

Julia Zieschang: Es gibt ja die VG Wort, die zahlt schon für solche Ausleihen Beträge an Verlage und Autoren, aber die sind natürlich nicht so groß, wie wenn man das Buch direkt kauft. Auch geht es dabei nicht so genau, dass jede Ausleihe honoriert wird, sondern das ist mehr stichprobenartig und dann eine Hochrechnung auf alle Bibliotheken. (So zumindest habe ich das verstanden, aber kann sein, dass es nicht hundertprozentig stimmt.)

Anna Savas: Da weiß ich ehrlich gesagt auch nicht mehr als Julia. Ich glaube, für uns Autoren ist da einfach wichtig, dass die Bücher gelesen werden und der Leser dann vielleicht ein anderes oder auch das gleiche Buch des Autors kauft, wenn es ihm gefallen hat.

Julia Zieschang: Genau so sehe ich das auch! Wir Autoren wollen gelesen werden!

Lea: Dann noch eine letzte Frage: Habt ihr noch etwas, das ihr zu dem Thema sagen wollt oder etwas, das ihr noch loswerden wollt?

Julia Zieschang: Vielleicht eines noch: Ich kann verstehen, dass man sich als Leser nicht immer alle Bücher leisten kann, aber man kann seine Lieblingsautoren dennoch unterstützen, indem man über sie redet. Empfehlt unsere Bücher weiter, verschenkt sie an Freunde und Familie, teilt unsere Beiträge und schreibt Rezensionen zu den Büchern, die ihr bereits gelesen habt. Das sind kleine Gesten, die uns aber sehr weiterhelfen.

Anna Savas: Ich glaube, für uns Autoren ist es einfach wichtig, dass ihr Leser wisst, dass uns jedes einzelne verkaufte Buch etwas bedeutet. Jeder Verkauft ist wichtig, jede Rezension und ganz besonders jeder Leser. Wir freuen uns immer über Nachrichten und liebe Worte. Und denkt immer daran, dass auch wir Autoren nur Menschen sind, Menschen voller Zweifel und Träume und dass ihr Leser diejenigen seid, die uns immer weiter träumen lasst.


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Nochmals vielen lieben Dank an Anna und Julia für das Interview!

Falls ihr gerne mehr über die beiden Autorinnen erfahren möchtet, würden sie sich bestimmt über einen Besuch auf ihren Websites freuen. Hier geht's zu Julia Zieschangs Website und hier findet ihr Anna Savas Instagramseite.

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