Rezension | "The Seafarer's Kiss" von Julia Ember

★☆☆☆☆| 168 Seiten | gelesen auf Englisch | erschienen am 04.05.2017 bei Duet Books
bisher nicht auf Deutsch erschienen
In "The Seafarer's Kiss" von Julia Ember findet eine junge Meerjungfrau ihren Platz in der Welt, indem sie einen Gott austrickst.

Ersel sehnt sich nach einem Leben außerhalb des Gletschers ihres Volkes. Unter König Calder erleben junge Meerjungfrauen dort ein Leben der Unterdrückung, allein der Aufgabe gewidmet, Nachkommen für die schrumpfende Bevölkerung hervorzubringen. Als sie dann auf Ragna, eine menschliche Kriegerin, trifft, ihr das Leben rettet und sich in sie verliebt, scheint ihr Traum, den Gletscher endlich zu verlassen, in greifbarer Nähe. Doch bei einem Treffen der Beiden, das dem Meervolk verboten ist, wird Ersel erwischt, woraufhin sie einen Pakt mit dem Trickster-Gott Loki eingeht, um sich ihren Wunsch, bei Ragna zu sein, erfüllen zu können. Von da an nimmt die Geschichte einen unerwarteten Lauf.

Ich hatte so einige Probleme mit diesem Buch. Angefangen hat es damit, dass es als Neuerzählung vom Märchen "Die kleine Seejungfrau" vermarktet wird und ich erwartet habe, dass es um die kleine Seejungfrau und nicht wie hier um eine Erzählung der Geschichte Ursulas geht. (Auch wenn ich mir das durch den Namen "Ersel" auch hätte denken können.)

Außerdem scheint es zunächst so, als hätte niemand anderes außer Ersel ein Problem mit der Herrschaft des Königs, in der er alle jungen Frauen dazu zwingt, sich einzig und allein der Fortpflanzung "seines" Volkes zu widmen. Als Ersel dann Ragna kennenlernt und sich zwischen den beiden Frauen eine Liebesbeziehung entwickelt, war ich komplett durcheinander. Nachdem sie sich ein paar Mal getroffen haben, kommt es plötzlich zu einem Kuss und Ersel ist sofort unsterblich verliebt. Für mich war das kein nachvollziehbarer Aufbau einer für die Geschichte zentralen Liebesbeziehung. Gegen Ende des Buches kommt es zwischen den beiden auch noch zu einer völlig deplatzierten Handgreiflichkeit, deren Ursprung ich immer noch nicht begriffen habe. Die Liebesgeschichte war meiner Ansicht nach völlig unterentwickelt und hätte noch einiges an Arbeit benötigt, um für mich glaubhaft zu wirken. 

Ersel ist in den ersten zwei Dritteln des Buches völlig egozentrisch und die Geschichte ist lediglich darauf fokussiert, dass sie ihren Wunsch, aus dem Gletscher zu entkommen und bei Ragna zu sein, erfüllt bekommt. Durch den Pakt mit Loki und die Ereignisse, die sich daraufhin ereignen, wandelt sich allerdings Ersels Charakter und sie versteift sich nicht mehr nur auf ihre eigenen Wünsche. 

Insgesamt hatte "The Seafarer's Kiss" für mich sehr viele Unstimmigkeiten, die sich sowohl im Verhalten der Charaktere, als auch im gesamten Aufbau der Geschichte wiedergespiegelt haben. Viele Szenen und Entwicklungen haben überhaupt nicht zusammengepasst, weswegen ich von diesem Buch leider nur jedem abraten kann.